U21 W Euro in Alanya - Nachlese

von Peter Monghy

Fazit Europameisterschaft U21 – Alanya, Türkei

Klassenerhalt geschafft. Krone richten und weitermachen, sagen sich die Verantwortlichen am Tag 1 nach Ende der Hitzeschlacht an der Türkischen Riviera. Doch die österreichischen U21-Mädchen haben sich als jüngste Mannschaft des Turniers nicht nur die Sympathien, sondern auch den Respekt der Gegner und des Publikums erspielt. Ein kurzer Rückblick auf die lehrreiche Woche lohnt deshalb.

 

Das Ziel der Spielerinnen (zur Erinnerung: Vize-Europameister 2019 in der Halle) war mutig gesetzt. Sie wollten ein Wort mitreden im Kampf um den Aufstieg in den A-Pool, und – das lässt sich auch aus der Perspektive des siebten Platzes noch ohne Wenn und Aber sagen – unrealistisch war ihr Plan nicht.

Trotz der Hiobsbotschaft von den verletzungsbedingten Ausfällen im erfahrenen U21-Kernteam gingen die Mädchen hochmotiviert in ihr erstes Spiel gegen Tschechien. Ein Gegner, dessen Stärken und Schwächen man inzwischen allerdings zu gut kennt, um frei aufzuspielen. Es wurde ein zähes Match mit dem glücklicheren Ausgang für die Tschechinnen. 1:2.

„Nicht vom Glück verfolgt“ waren unsere Mädchen auch in den beiden nächsten Gruppenspielen. Nach der knappen 0:1 Niederlage trotz deutlicher Leistungssteigerung gegen die am Ende drittplatzierten Waliserinnen (deren Torfrau zurecht den Best Goalie Award mitnahm) und obwohl der Traum vom Halbfinale damit zerplatzt war, legten die Österreicherinnen gegen Schottland noch einen ordentlichen Gang zu. Das Gegentor im ersten Viertel wollten sie nicht auf sich sitzen lassen und brachten – hervorragend eingestellt von ihren Trainern und bereit, auch noch den letzten Tropfen Herzblut aus sich herauszuquetschen – die körperlich überlegenen, späteren Europameisterinnen zunehmend in Not. Die konnten bei Abpfiff ihr Glück kaum fassen und zeigten selbst bei der Siegerehrung noch ihren großen Respekt: Österreich war unser schwerster Gegner. We were the lucky ones!

Herkulesaufgabe für Trainer und Mentalcoach: Dass es nun gegen den Abstieg ging, setzte unserem Team sichtlich zu. Dass die spielerisch unterlegenen Polinnen an diesem Tag Zielwasser getrunken hatten, kam hinzu. Vier Ecken konnten sie versenken, die letzte beim Stand von 3:3 unmittelbar vor Abpfiff.

Die Diskussion, welche dieser Strafecken gerechtfertigt waren, lohnt im Nachhinein bekanntlich nicht! Die schmerzhafte Realität: Wieder nur ein einziges Tor Unterschied, wieder kein Punkt.

Im letzten Spiel gegen die Gastgeberinnen ging es deshalb tatsächlich um die Zukunft der U21. Und es geriet zum Nervenkrieg. Nach einem souveränen Start  und der Führung in der dritten Minute ließen unsere Mädchen die deutlich hitzebeständigeren Gegnerinnen immer wieder kommen und lagen nach einem aufreibenden Hinundher in der zweiten Hälfte des letzten Viertels sogar 3:4 zurück.

Aufgeben war jetzt nicht angesagt! Von der Trainerbank immer neue, motivierende Anweisungen. Der österreichische Fanclub kurz vor dem Stimmbandriss. In Minute 56 das überfällige 4:4. Doch keine Entwarnung: Den Türkinnen reichte ein Unentschieden, Österreich nur ein Sieg.

Dann endlich, endlich mischte sich die Hockeyfee ein, die sich an den Tagen davor offenbar hitzefrei genommen hatte. In der 59. Minute – Oder war es schon die 60.? – zieht der noch einmal alles gebende österreichische Sturm einen Siebenmeter. Und ja! Drin ist er!

Das war fast zuviel für Teamchef Chris Faust...

Bei der nächsten EM – da waren sich die gegnerischen Trainer einig – wird diese Mannschaft tatsächlich um eine Medaille mitspielen.

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