Österreichs Herren verpassen die Sensation

von Peter Monghy

Ein Bericht von Clemens Rarrel

Deutschland - Österreich 5:0 (3:0)

Im mit knapp 4.000 Zusehern gut besuchten Sparkassen Hockeystadion in Mönchengladbach wollte Österreich am Tag 1 des Olympia Qualifiers den Favoriten mit einer disziplinierten Defensivleistung zu Fall bringen. Nur in den ersten Minuten ging dieses Vorhaben auf, zu Beginn wirkten auch die Deutschen ein wenig verunsichert. Nach knapp 10 Minuten nahm das Spiel dann aber für den Gastgeber Fahrt auf, Österreichs Spieler schienen mit den vielen Seitenwechseln überfordert zu sein. Unglücklich für den Spielverlauf, dass die erste Kreisszene gegen Österreich zu einer Strafecke führte, die Lukas Windfeder trocken im langen Eck versenkte. Das frühe Gegentor schockte unsere Spieler, wir verloren komplett den Zugriff auf das Spiel. Zwei fahrlässige Fehler im Spielaufbau später lag Österreich nach Toren von Staib und Rühr mit 0:3 aussichtslos im Rückstand. Offensiv ging fast gar nichts, defensiv hielten wir zumindest im Zentrum dagegen.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an der Charakteristik des Spieles, im rot-weiß-roten Team waren an diesem Tag zu wenige Spieler dabei, die das Tempo des Gegners mitgehen konnten. Zwar ließ Deutschland ein wenig nach, 2 weitere Tore durch Fuchs und Oruz folgten dennoch zum völlig verdienten 5:0 Endstand. Bezeichnend, dass die zentrale Defensive um Hasun, Steyrer, Benny Stanzl und Thornblöm noch die stärksten Akteure in einer überforderten österreichischen Mannschaft waren. Vor allem im Spiel nach Vorne fehlte Klasse und körperliche Präsenz, abhaken und am nächsten Tag besser machen konnte die einzige Devise des Trainerteams sein.

Deutschland - Österreich 5:3 (2:1)

Den Rat des Trainerteams hatte das Team von Kapitän Xaver Hasun sich offensichtlich zu Herzen genommen, denn am 2. Tag lief das Spiel deutlich besser für Österreich. Und nicht etwa, weil die Deutschen bereits einen Gang zurück geschaltet hatten. Die Ehrfurcht war bei den jungen österreichischen Spielern abgelegt, auch die Routiniers legten sich erfolgreicher ins Zeug. Zusätzlich hatte Österreich mit Benjamin Melinc einen bärenstarken Schlussmann, der Rot-Weiss-Rot lange im Spiel hielt. Das 0:1 durch Grambusch konnte auch er nicht verhindern, auch wenn er in der Torsituation gleich 3x abwehren konnte.

Kopf hoch hieß im Gegensatz zum Samstag die Devise von Benny Stanzl & Co und nur wenige Spielzüge weniger schrieb Michael Körper erstmals mit einer Strafecke ins kurze Kreuzeck an.

Jetzt war es ein ausgeglichenes Spiel mit leichten Vorteilen für Deutschland, die auch für die neuerliche Führung des Gastgebers sorgten. Ein satter Rückhandschuß durch Miltkau vom Schusskreisrand passte genau, 2:1 lautete der Halbzeitstand. Österreich blieb dennoch nicht ohne Chancen, Fabi Unterkircher und Michi Körper scheiterten 2x an der Klasse des deutschen Schlussmannes.

 

Nach dem Seitenwechsel hatte wieder Gastgeber Deutschland den besseren Start und Stain schloss einen tollen Rechtsangriff zum 3:1 für unsere Nachbarn ab. Wieder kein Grund für uns, das Spiel aufzugeben, die deutlich verbesserte Offensive erspielte mehrfach Chancen. 2 davon führten zu Strafecken und einmal mehr zeigte Michi Körper, warum er zu den besten Eckenschlenzern in der deutschen Bundesliga zählt. Ecke 2 versenkte er flach im langen Eck, Ecke 4 zentral hoch im "Kasten" um für den überraschenden - aber nicht unverdienten - Ausgleich zu sorgen. Plötzlich war es still im Stadion von Mönchengladbach, mit dieser Gegenwehr hatte wohl kaum jemand gerechnet.

Das dritte Viertel wurde zu einem regelrechten Fight. Die deutschen Spieler wollten den abermals knapp 4.000 Zusehern einen zweiten Sieg schenken, Österreichs Equipe roch die Chance auf eine Sensation. Das Zweikampfverhalten der Defensive war sehenswert, doch im letzten Viertel machten die Deutschen wieder richtig Druck. Auch Österreich hatte noch Chancen, 2 Strafecken führten allerdings zu keinem Erfolg mehr. Effizienter dagegen Deutschland, ein abermals ganz stark gespielter Rechtsangriff führte zum 4:3 durch Wellen, die letzte Strafecke im Spiel versenkte Rühr zum 5:3 Endstand.

Fazit

Trotz der Niederlage zeigte unser Team am Sonntag ein ganz anderes Gesicht. Viel präsenter und mutiger agierte das Nationalteam, die Rehabilitation für die schwache Leistung des Vortages war eindrucksvoll gelungen. Stark die gesamte Defensive mit einem herausragenden Melinc im Tor, im Aufbau aufopfernd Benny Stanzl und Thornblöm, gute Szenen von Unterkircher in der Offensive und ein eiskalter Verwerter Körper, der auch zum Spieler des Matches gewählt wurde.

Zu erwähnen ist auch die Verletzung von Alexander Bele, der sich im Abschlusstraining am Freitag eine schwere Verletzung am Finger zugezogen hatte. Er fehlte dem Team in der Offensive und wir wünschen Alex, dass er für die Hallensaison wieder fit wird.

Auch wenn die Qualifikation für Olympia leider - nicht unerwartet - misslang, gibt die Leistung von Sonntag Hoffnung, auch in Zukunft im Konzert der Großen zumindest mitspielen zu können. Immerhin wurde heute der Sechste der Weltrangliste lange gefordert. Nach wie vor fehlt zu den ganz großen Nationen die physische Stärke. Sicherlich fehlt auch die Kaderdichte, nicht alle Spieler konnten sich dem extrem hohen körperlichen und technischen Niveau anpassen.

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