Hockey in Österreich: 1921 - 1940

Ein Sportzweig, der Förderung verdient - Hockey an den Schulen wäre schon ein guter Anfang.
(Wiener Mittagsausgabe vom 5.7.1939)

1922: Nationalmannschaft

Schon bei der Meisterschaft 1920/21 nahmen 7 Vereine den Kampf um den österreichischen Staatsmeister auf: Der WAC, der Wiener Hockey Club, der V.f.B., Hakoah, die österr. Lehrervereinigung, die Kath. deutschen Hochschüler und Fünfhaus. Das entscheidende Meisterschaftsspiel entschied der WAC gegen V.f.B. mit 2:1 für sich.

Die darauffolgende Herbstmeisterschaft begann unter dem ungünstigen Stern der Hockeyplatznot, denn außer dem Lehrerplatz in Hernals und dem WAC Platz gab es praktisch keinen Hockeyplatz in Wien, woraufhin die Meisterschaft im Herbst 1921 vorläufig ausgesetzt und durch sogenannte Pflichtspiele ersetzt wurde.

Die erste Nationalmannschaft Österreichs

Das Interesse an diesen Spielen war für viele Hockeyspieler offensichtlich nicht sehr groß, es wurde weniger trainiert, sodass der Verband für den Spätherbst ein Repräsentationsspiel gegen eine süddeutsche Auswahl in München fixierte. Dabei kam es erstmals zur Bestellung eines Verbandskapitäns, der 6 Wochen lang das Training der "Ersten Nationalmannschaft Österreichs" leitete.

Das Spiel am 11. Dezember 1921 ging 0:8 verloren, die technisch besseren Deutschen waren um Klassen stärker als Österreich.

Im Jahr 1922 konnten alle davon überzeugt werden, dass eine Verstärkung des österreichischen Hockeys nur mit einem Meisterschaftsbetrieb ermöglicht werden kann. Ganz überlegen holte sich der WAC die Meisterschaft 1922, die mit 8 Vereinen: WAC, Wiener Hockey Club, V.f.B., Hakoah, Oels, Arminen (ehemals kath. Deutsche Hochschüler), Fünfhaus und Ostmark ausgetragen wurde.

1929: die erste Damenmannschaft der SV Arminen

Erst im Herbst 1923 begann wieder eine reguläre Meisterschaft, die mit 10 Vereinen in einer einheitlichen Spiel­klasse durchge­führt wurde. Neu dabei waren die Vereine Red Star (aus ehemaligen Spielern von Ostmark und Fünfhaus) sowie der Wiener Allround Sportclub. Die bislang längste Meisterschaft - 10 Mannschaften absol­vierten 90 Spiele - gewann der WAC vor dem V.f.B. und dem Lehrerverein Oels.

Für den Hockeysport in Österreich war eine neue Ära angebrochen, die Spielklasse wurde hauptsächlich dank dem Wett­spiel­verkehr mit Deutschland gehoben. Einen mächtigen Im­puls bekam der Hockeysport durch das be­deutende Erstarken der Hakoah-Mannschaft. Mit der Eröffnung eines Sportplatzes in der Krieau, konnte ein ideales Hockey­-Spielfeld dazugewonnen werden. Im Meisterschafts­jahr 1924/25 krönte Hakoah seinen Aufstieg mit dem Gewinn der Meisterschaft und löste den Vorjahressieger WAC ab. Im darauffolgenden Jahr wurde der V.f.B. österreichischer Meister, gefolgt von dem Österreichischen Hockeyclub.

Im Herbst 1927 führte der ÖHC die Tabelle an, als die Meisterschaft wegen Schlechtwetters vorzeitig abgebrochen wurde. Vor Beginn der Frühjahrssaison 1928 wurde die laufende Meisterschaft vom Hockeyverband sistiert, um eine gezielte Olympiavorbereitung zu ermöglichen. Anstelle der Meisterschaft wurde ab April 1928 ein "Olympia-Cup" ausgetragen.

Erst in der Meisterschaft der Herren von 1928/29 feierte der WAC wieder ein Comeback als Meister und gewann den Titel.

Ab dem Jahre 1930/31 dominierte bis Kriegsausbruch eigentlich eine einzige Mannschaft das Hockeygeschehen der Männer in Österreich: Der HC Währing gewann - mit Ausnahme der Meisterschaft 1933/34 wo der SC Hakoah siegreich blieb - die Meisterschaft. Der Verein stellte auch während dieser Zeit den Großteil der österreichischen Nationalmannschaft.

1928: Teilnahme bei den olympischen Spielen

Ganz klar muss gesagt werden, dass Hoc­key zu dieser Zeit in diversen Tageszeitungen weit mehr präsent war, als es heutzutage der Fall ist. Höhepunkte in der Berichterstattung der damaligen Zelt waren die Länderspiel­berichte, und hier vor allem die Teilnahme der österreichischen Herren 1928 an den Olympischen Spielen in Amsterdam: Dabei konnte Österreich nicht gerade Lorbeeren ernten, sogar gegen Dänemark gab es eine 1:3 Niederlage.

In diesem olympischen Hockeyturnier lernte Österreichs Herren­team auch erstmals die hohe Kunst des indischen Hockeyspiels kennen, eine Mannschaft, die zum damaligen Zeitpunkt noch als unbesiegt galt. Ehrenvoll noch das Ergebnis mit 0:6, aber auch alle anderen Spiele (0:4 gegen Bel­gien und 0:1 gegen die Schweiz) gingen verloren. Österreich wurde vertreten durch: Emil Haladik, Fritz Herzl, Kurt Lehrfeld, Erwin Landesmann, Hubert Lichtneckert, Fritz Lichtstein, Willi Machu, Paul Massarek, Erwin Nossig, Karl Ördögh, Alfred Revi, Hans Rosenfeld, Otto Stritzko, Hans Wald, August Wildam, Arthur Winter, Fritz Steiner, Josef Berger.

In den nächsten Jahren konnte der inter­nationale Spielverkehr ausgebaut werden. Sowohl auf Vereinsebene als auch auf Teamebene wurden mehrere Auslands­reisen unternommen und Länderkämpfe ausgetragen. Vor nicht weniger als 4.000 (!) Zuschauern wurde im September 1932 ein Länderspiel gegen Indiens Nationalmannschaft aus­getragen und endete mit einer 1:6 Nieder­lage.

Zeitungsberichte von damals: "das Spiel verlief von Beginn an nicht so einseitig, als man gehofft oder gefürchtet hatte. Die Inder griffen zwar fortan an, aber die Österreicher ließen sich nicht ein­schüchtern und kämpften anscheinend mit Selbst­bewußtseinl"

Und einen Monat spä­ter, als das österreichische Herrenteam zu einem Länderspiel nach Frankfurt reiste, gab es gegen Süd-Deutschland ein ehren­volles 3:3 Unentschieden, wobei die Sportzeitungen von damals die großartige Leistung des öster­reichischen Torhüters Krizala hervorhoben.

Gründung einer Jugendliga

1931 wurde die erste richtige Jugend­liga des österreichischen Hockeys gegründet Das erste Jugendspiel - spielberechtigt waren Jugendliche bis zum vollende­ten 18. Lebensjahr - hieß Allround gegen Hakoah. Bald konnten der WAC, Arminen, der V.f.B., Reichsbund, der HC Währing und Post SV eine eigene Nachwuchsmann­schaft stellen.

Am 10. Oktober 1920 fand das erste "reine" Damenspiel statt - zuvor wurden die Damen-Mannschaften ja immer noch mit Herren verstärkt. Der WAC traf auf den V.f.B. und siegte 4:0. Trotzdem verging bis zur Austragung der ersten regulä­ren Meisterschaft noch etwas Zeit - erst 1926/27 wurde der Bewerb erst­mals ausgespielt, und von den routinierten WAC-Damen fünf Mal gewonnen.

In diesen Jahren begannen auch andere Vereine eigene Damenmannschaf­ten zusammenzustellen, und diese unter­nahmen dann auch einige Hockeyreisen ins benachbarte Ausland. So berichtet das Sport-Tagblatt vom 21.10.1932 von einer Reise der WAC­-Damen nach München, wo die Damen­mannschaft von Wacker München glatt mit 3:1 besiegt werden konnte, und die so sieggewohnten Deutschen nicht schlecht staunten.

Eine kleine Anekdote liest man im Sport Tagblatt vom 21. September 1934 unter dem Titel:

Noch einmal hat der Rock gesiegt:

Damenhockeyspiel 1936

"Im Hockeyverband gibt es jedes Jahr vor Beginn der Saison einen Modestreit. Alljährlich wird der Antrag eingebracht, anstatt des Rockes nun endlich die Hose als offizielles Kleidungsstück bei Wett­spielen der Hockey­spielerinnen einzu­führen. Dieser Antrag erregt jedesmal die Gemüter, weil die Konservativen mit ebenso viel Witz und Logik für die Beibe­haltung des Rockes kämpfen wie die Moder­neren für ihren Vorschlag. Auch diesmal war es nicht anders. Noch einmal entbrannte der Streit und noch einmal siegte der Rock. Mit al­lerknappster Majorität wurde im Damen­spiel­ausschuß be­schlossen, daß auch in dieser Saison der Rock bei offiziellen Anlässen die Hockey­spieler­innen zu zieren habe."

Nun ja - gehalten hat sich der Rock wohl dann doch bis heute …

Gehalten haben sich aber nicht alle Vereine - die Zeit bis 1935 war gekennzeichnet dadurch, dass Vereine gegründet, aber bald danach wieder aufgelöst wurden. "Überlebt" haben nur die folgenden Vereine: der SC Allround (später HC Wien), die katholisch deutschen Mittelschüler (später SV Arminen), die Hockeysektion des jüdischen Sportvereins Hakoah, der Verein für Bewegungsspiele, der WAC , der HC Währing, und als einziger Verein außerhalb Wiens der Kritzendorfer Sportclub.

Das Jahr 1935 begann für den Österreichi­schen Hockeyverband sehr verheißungs­voll. Am 28. Februar dieses Jahres wurde das erste Mal die Zeitschrift "Hockey-Zeit­schrift des österreichischen Hockey-Ver­bandes"· herausgegeben. Elf Vereine waren im Jahre 1935 Mitglieder des Hoc­keyverbandes: Die SV Arminen, der Sportclub Blau-Rot, der HC Blau-Weiß, die Hakoah, der Kritzendorfer Sportclub, der V.f.B., der HC Schwarz-Rot, der HC Währing, der WAC, der Allround Sportclub und der Wiener Hockeyclub.

Sportlich gesehen begann man mit einem geordneten Training für den Olympia­kader für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, an denen Österreichs Hockey­national­mannschaft teilnehmen sollte.

Der Tiefpunkt in der Hockey-Geschichte

Aber nach 1935 ging es mit dem Hockey­sport abwärts, Vereine lösten sich wieder auf, es konnte kein Geld für die Olympiamannschaft aufgetrieben werden, und so blieb die Teilnahme an den Olym­pischen Spielen für die Hockeyspieler nur ein Traum.

Die letzte Generalversammlung sollte im März 1937 stattfinden. Die Blüte­zeit des Hockeysports in Österreich, wo die meisten Vereine ihren eigenen Hockeyplatz hatten, wo Schiedsrichterfort­bildungskurse stattfanden, wo Nachwuchs­spieler zu Kursen in die Sportschule Schiel­leiten geschickt wurden, und auch der Damenhockeysport einen Aufschwung erlebte war vorbei. Das "Abschiedsge­schenk" des österreichischen Hockey­sports war ein 3:2-Sieg gegen den großen Bruder Deutschland.

1938: Länderspiel gegen Deutschland

Das österreichische Hockey erreichte einen Tiefpunkt in seiner Geschichte. Durch Fusionen versuchten viele Clubs noch eine Rettung - doch auch diese scheiterten. Auch die Platzmisere erreichte einen neuen Höhepunkt. In der Neuen Freien Presse vom 16.7.1937 wurde vom ÖHV-Vor­stands­mitglied Dr. Gustav W. Herzog als Über­lebensnot­wendigkeit des Hockeysports in Österreich ein verbandseigener Platz gefordert. Aber erst 1953 konnte die von Herzog gestellte Forderung durch den ÖHV-Vorstand und auf Initiative und durch den persönlichen Einsatz von Hans Koller verwirklicht werden.

Die Zäsur des Zweiten Weltkrieges

Dr. Horst Ehmsen berichtete einst als Zeitzeuge in einer sehr persönlichen Schilderung: "Für uns Hockeyspieler im allgemeinen war es eine große Cäsur: von einem Tag zum anderen gab es keine Hakoah mehr, das war der jüdische Allround-Sportklub in Wien, wobei besonders die Hockeymannschaft der Hakoah als letzte österreichische Hockeymeistermannschaft der Herren ihren totalen, schmerzvollen Abschied nehmen mußte. Auch zwei andere renommierte Hockeyvereine mußten den Betrieb einstellen, der V.f.B. sowie der Allround HC, da beide Clubs in der Mehrzahl jüdische Mitglieder hatten. Übrig blieben die Hockeyabteilung des WAC, der HC Währing und Arminen. In den Kriegsjahren gab es vorübergehend eine Spielgemeinschaft "HC Währing - Sportvereinigung Arminen". Wenn Zeitzeugen mitunter noch heute noch meinen, sie wüßten nichts von der damals einsetzenden Diffamierung, Verfolgung und Vernichtung unserer Mitbürger jüdischen Glaubens, dann darf ich - zumindest im Namen unserer Hockeygemeinde der Jahre 1938/39 behaupten, daß wir alle bemerkt haben mußten, daß unsere Sportkameraden allein dreier Clubs von einem Tag zum anderen aus unserer Sportgemeinschaft eliminiert worden waren …"

Die erste vollständige Gaumeisterschaft der Jahre 1938/39 begann im September 1938, und Probleme, die den Hockeysport in Österreich in seiner Geschichte immer beschäftigten, traten auch während der Kriegszeit auf. Zum einen war es Mannschaften nicht immer möglich, eine komplette Elf für ein Meisterschaftsspiel zu stellen. Aber auch die Platznot veranlasste im März 1939 die Wiener Mittagsausgabe­ zum Artikel "Ostmark ohne Hockey?"

„Der chronische Mangel an Spielplätzen hat sich bereits derart ausgewirkt, daß der Beginn einer regelmäßigen Frühjahrsspielzeit überhaupt in Frage gestellt ist. Unter den fünf Vereinen im Gau Ostmark gibt es lediglich einen, der über einen Sportplatz verfügt. Es ist dies der Wiener Athletiksportklub. Naturge­mäß kann man den ganzen Hockeybetrieb, nicht auf einen einzigen Sportplatz konzen­trieren. Der Sportklub Anninen dürfte seinen Platz endgültig verloren haben, der Sportklub All­round will die Hockeyanlage in der Krieau mieten, doch werden sich die Renovierungs­kosten derart hoch stellen, daß es mehr als fraglich ist, ob das Projekt durchdringt. Zu allem kommt nunmehr die traurige Nach­richt, daß der vielfache Meister und jüngste Gaumeister, der Hockeyklub Währing, eben­falls ohne Platz dasteht. Hervorgegangen aus der Lehrersportvereinigung, spielten die Währinger mehr als ein Jahrzehnt auf der Hernalser Anlage. Der Untermietvertrag wurde jedoch diesmal von du Lehrersportvereinigung nicht erneuert.

Unser fünfter Verein, der Wiener Hockeyklub, hat schon seit einigen Monaten keinen Spiel­platz. Es ist zu hoffen, daß die Verwaltung der ehemaligen Bundesportplätze mil der Not unserer Hockeyvereine ein Einsehen hat und aktiv in den Wiederaufbau dieses Sportzweiges eingreift.“

Zwei Punkte verdienen noch eine Erwähnung, da sie  offensichtlich die Fortführung des Hockeysports auch in den Kriegsjahren unterstützten. Im Juli 1939 wurde über den Hockeysport an den Schulen geschrieben, andererseits wurde versucht, Hockey in Verbindung mit anderen Sportarten dem sportinteressierten Zuschauer näherzubringen.

So schrieb die Wiener Mittagsausgabe vom 5.7.1939:

Ein Sportzweig, der Förderung verdient - Hockey an den Schulen wäre schon ein guter Anfang

„Vor kurzer Zeit weilte die Schloßschule "Salem", deren reizendes Heim am Bodensee liegt, in Wien. Sie kam aber nicht nur, um unsere schöne Stadt und die vielen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sondern sie verband ihren Besuch auch mit Sportdarbietungen, und zwar mit dem im Altreich so sehr beliebten und gepflegten, bei uns in der Ostmark aber so stiefmütterlich bedachten Hockey!

Ja, der Ostmärker wird staunen, daß der Bub auch etwas anderes spielen kann und für etwas anderes Interesse hat, als für Fußball. Dabei soll diesem bei uns so hoch entwickeltem Sport durchaus kein Abbruch getan werden. Aber seien wir ehrlich, sind die Ostmärker da nicht etwas zu einseitig? Wir haben bestimmt in jedem Sportzweig ganz große Veranlagungen, warum da nur alles auf den Fußball konzentrieren? Handball hat sich ja schon etwas populär gemacht, aber für Hockey hatte man bislang nicht viel übrig.

Es bestehen in der Ostmark nur mehr vier Vereine und diese haben sage und schreibe einen einzigen Sportplatz. Wäre es nicht möglich, diesen vier Vereinen Sportplätze anzuweisen oder ihnen wenigstens Termine und Übungsgelegenheiten auf den vielen Gemeinde- und staatlichen Sportplätzen zu geben? Soll dieser wirklich schöne Sport nicht ganz von der Ostmark verschwinden, so ist es höchste Zeit, ihm so schnell wie möglich auf die Beine zu helfen.

Nun zum Hockey selbst. Die meisten Leute haben wohl schon ein Eishockeyspiel gesehen, aber noch keines im Landhockey. Das Sportfeld hat nun fast dieselben Ausmaße wie beim Fußball, und es spielen auch 11 Mann in jeder Mannschaft. Hockey ist keine leichte Sportart, da es große Wendigkeit, rasche Entschlußkraft, Energie, gut ausgebildete Stopptechnik und eine gehörige Portion Schneid und Härte erfordert."