Technische Entwicklungen im Hockey

Im Feldhockey gab es immer wieder technische Weiterentwicklungen. Bis Mitte der 50er Jahre ist das Führen des Balles an der rechten Körperseite vorherrschend. Nach einer Reise einer deutschen Nationalmannschaft nach Pakistan änderte sich dies. 1954 studiert man vier Wochen die Spielweise und vor allem die Stocktechnik der Pakistani. Man lernt die Vorteile einer frontalen Ballführung schätzen. Das „indische Dribbling” und die Übernahme der kurzen asiatischen Keule in das deutsche Hockey sind die Folge. Durch die veränderte Lage des Balles und mit Hilfe der „neuen” Keulen ist man ab sofort weniger ausrechenbar, die Spieler verfügen über sehr viel mehr Abspiel- und Täuschungsmöglichkeiten als bisher.

Die größte Umwälzung im Hockey findet in den 70er Jahren statt. Der Charakter des Spiels ändert sich, die Anforderungen an Spieler und Material werden drastisch in die Höhe geschraubt, das Spiel ist ein anderes. Der Naturrasen wird abgelöst vom Kunstrasen. 1976 weiht Kampong Utrecht den ersten Kunstrasen Hollands ein. In Limburg entsteht fast zeitgleich die erste synthetische Spielfläche in Deutschland.

Der Kunstrasen macht das Spiel der Könner unabhängig von den Widrigkeiten des eher unberechenbaren Naturrasens.

1976 fand in Montreal erstmals ein olympisches Hockeyturnier auf Kunstrasen statt. Die Abwendung vom Naturrasen läutete im Hockeysport ein neues Zeitalter ein, bei dem die taktisch und athletisch stärksten Nationen den Ton angaben.

Die europäischen Länder Niederlande, Deutschland, England, Spanien, Belgien sowie Australien und Argentinien gelten momentan im Herrenhockey als führend. Indien und Pakistan versuchen in den letzten Jahren vergeblich an die früheren internationalen Erfolge anzuschließen. Bei den Damen sind als aktuell stärkste Nationen die Niederlande und Argentinien sowie Australien, Deutschland und Großbritannien zu nennen.

In den 90er Jahren bringt Fernando Ferrara eine in Europa bislang unbekannte Technik aus seiner argentinischen Heimat nach Italien mit. Dort ist der Nationalspieler bei Cernusco in Mailand unter Vertrag. Es handelt sich um eine neue Art, die Rückhand zu schlagen. Aus einer sehr tiefen Körperposition schlägt er den Ball mit der Kante des Schlägerschaftes und beschleunigt so den Ball phänomenal. Weil Ferrara mit der Argentinischen so viel Erfolg hatte und so viele spektakuläre Treffer erzielte, verbreitete sich die argentinische Rückhand rasch über den europäischen Kontinent.

Die „argentinische Rückhand “ ist für einen Schläger die vielleicht extremste Belastungsform, das Material wird enorm beansprucht, denn die Ummantelung und die Verstärkungsfasern werden regelrecht zertrümmert, und im Zuge dieser primären Schäden leidet das Holz des Schlägers.

Die nächste Umwälzung findet statt. Holz wird ersetzt durch Kunststoff. Was Ski- und Tennissport bereits vollzogen haben, geschieht nun auch im Hockey.

Im November 1999 ändert die FIH ihr Regelwerk, so dass ab sofort auch international Vollkunststoffschläger zum Spielbetrieb zugelassen sind. Die Schläger setzen sich aus einer Mischung von Glass-, Kevlar- und Carbonfasern zusammen. Gegenüber den herkömmlichen Holzschlägern sind „Composite-Schläger” härter und leichter, die Spieler erreichen also höhere Ballgeschwindigkeiten.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ein Spieler immer genau den gleichen Schläger wieder erhalten kann, da Composite Schläger im Gegensatz zum Naturmaterial Holz nicht den gleichen Schwankungen in der Herstellung unterliegen.

Modernere Übertragungsmöglichkeiten brachten weitere Anpassungen im Regelwerk. So kann seit den Olympischen Spielen in London 2012 bei strittigen Spielsituationen - innerhalb der 23m-Linie, die zu einer kurzen Ecke, zu einem 7m oder zu einem Tor führen - pro Mannschaft ein Videobeweis eingefordert werden. Fällt der Videobeweis zu Gunsten der beantragenden Mannschaft aus, so verbleibt ihr die Möglichkeit eines weiteren Videobeweises. Andernfalls hat die Mannschaft ihr Recht auf einen weiteren Videobeweis vergeben. Auch der Schiedsrichter am Spielfeld kann für sich selbst einen Videobeweis beantragen um bei Torentscheidungen eine Kontrolle durchführen zu lassen. Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter können über Funk miteinander kommunizieren.

Auch das Shoot-Out ist eine relativ neue Möglichkeit um Entscheidungen herbeizuführen - endet ein Spiel in einem Ausscheidungswettbewerb unentschieden, so wird der Sieger über ein Shoot-Out festgestellt. Die Spieler starten von der 23-m-Linie und versuchen nur gegen einen Torwart ein Tor zu erzielen. Dazu haben sie jeweils acht Sekunden Zeit.

Neue Wettkampfvarianten werden ebenfalls getestet - Hockey5 ist eine Variante des olympischen Hockeys „Elf gegen Elf“. Es wird auf dem sogenannten „Kleinfeld“ mit nur fünf Spielern in jeder Mannschaft gespielt. Die wichtigsten Abweichungen sind: ein kleineres Spielfeld (ca. die Hälfte eines normalen Feldes), Banden an allen Spielfeldseiten, es gibt keinen Schusskreis, ein Tor kann aus dem gesamten Feld heraus erzielt werden. Mit der Einführung von Hockey5 im Juli 2013 verspricht sich der Welthockeyverband FIH bessere Entwicklungsmöglichkeiten insbesondere in den Ländern, in denen bisher kein Hockey gespielt wird. Momentan wird diese Spielform allerdings nur bei den Youth Olympics ausgespielt.